Kostet Ubuntu in der Cloud etwas?

Ubuntu ist frei (Open Source) und samt Updates gratis, das stellt Canonical auf seinen Webseiten mehrfach klar. Nun hat golem.de heute die Story des Hosting-Unternehmens OVH präsentiert. OVH wurde offensichtlich von Canonical aufgefordert, Lizenzgebühren in der Höhe von 1 bis 2 Euro pro Ubuntu-Instanz zu zahlen.

Was steckt dahinter?

Stein des Anstoßes ist offensichtlich die Intellectual property rights policy. Auch sie beginnt mit der Feststellung, dass Ubuntu kostenlos verwendet werden darf. Ich zitiere aus Punkt 1, Summary:

You can download, install and receive updates to Ubuntu for free.
You can modify Ubuntu for personal or internal commercial use.
You can redistribute Ubuntu, but only where there has been no modification to it.
etc.

Aber: Viele Cloud-Anbieter verwenden offensichtlich für das jeweilige Cloud-System optimierte Ubuntu-Vesionen. (Modifiziert wird primär der Kernel, aber sei’s drum: Ubuntu in seiner Gesamtheit ist damit verändert.) Und für diesen Fall sieht die Intellectual property rights policy vor (wieder wörtlich zitiert aus Punkt 3, Your use of Ubuntu):

Any redistribution of modified versions of Ubuntu must be approved, certified or provided by Canonical if you are going to associate it with the Trademarks. Otherwise you must remove and replace the Trademarks and will need to recompile the source code to create your own binaries.

Kurzum: Canonical erwartet von Hosting-Unternehmen, die Ubuntu verändert an Ihre Kunden weitergeben, dass die Veränderungen von Ubuntu abgesegnet werden. Und für diese Dienstleistung will Canonical Geld sehen.

Wie konkret das von OVH angebotene Ubuntu aussieht, entzieht sich meines Wissens. Insofern kann ich zum konkreten Fall nichts sagen.

Die Frage ist eher ganz prinzipiell: Verhält sich Canonical hier korrekt? Oder missbraucht es Open-Source-Freiheiten?

Auch darauf ist eine Antwort nicht ganz einfach: Laut golem.de argumentiert Canonical, dass durch Hoster/Cloud-Anbieter durchgeführte Änderungen von Ubuntu in der Vergangenheit zu Sicherheitsproblemen geführt haben. Da ist es verständlich, dass Ubuntu nicht möchte, dass das resultierende System noch »Ubuntu« genannt wird. (Manchen wird diese Logik bekannt vorkommen: Auch Mozilla hat sich lange Zeit dagegen gewehrt, dass Distributionen Firefox nach ihren Vorstellungen anpassen. Das führte dazu, dass Firefox in Debian nicht Firefox heißt, sondern »Iceweasel«. Dieser Streit ist aber mittlerweile beigelegt, in aktuellen bzw. zukünftigen Debian-Versionen darf Firefox wieder »Firefox« heißen.)

Der andere Aspekt ist natürlich, dass Canonical mit Ubuntu gerne Geld verdienen möchte — und sich hier eine Möglichkeit bietet. Auch das ist nicht verboten — Red Hat machte mit seinem Linux-Geschäft 2015 mehr als 1,5 Mrd. US $ Umsatz und etliche Millionen Gewinn.

Bei allem Verständnis für Canonical bleibt bei dieser Geschichte aber ein bitterer Nachgeschmack. Vielleicht lässt dieser in den nächsten Tagen nach, wenn mehr Details bekannt werden.

Update 2.12.2016