Ubuntu 14.04 ist fertig

Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk veröffentlicht Canonical eine Ubuntu-Version nach der anderen. Ubuntu 14.04 setzt den Linux-Maßstab für die nächsten zwei Jahre, vor allem für den Desktop-Einsatz, aber auch für immer mehr Server-Administratoren. Was ist neu? Welche bewährten Features sind geblieben? Wo hat Ubuntu 14.04 Defizite? Wo hat es bei meinen Tests gehakt?

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Der Ubuntu-Desktop
Der Ubuntu-Desktop

Programmversionen

Vorweg ein kurzer Überblick über die Software-Grundausstattung von Ubuntu 14.04:

Basis            Desktop             
---------------  ------------------  
Kernel    3.13   Gnome        3.10   
glibc     2.19   KDE          4.13   
X-Server  1.15   Firefox      28     
GRUB      2.02   Gimp         2.8    
Upstart   1.12   LibreOffice  4.2    
                 Thunderbird  24
                 Unity        7       


Programmierung     Server
---------------    --------------
bash      4.3      Apache    2.4
gcc       4.8      CUPS      1.7
Java      7        MySQL     5.5
PHP       5.5      OpenSSH   6.6
Python    2.7/3.4  qemu/KVM  2.0
                   Postfix   2.11
                   Samba     4.1

Neu im Vergleich zu Ubuntu 12.04

  • UEFI Secure Boot
  • automatisches SSD-TRIM für Samsung- und Intel-SSDs
  • eingeschränkte HiDPI-Unterstützung
  • viel mehr Unity-Konfigurationsmöglichkeiten
  • Menüs können im Fenstertitel statt im Panel angezeigt werden
  • Web-Apps (Webseiten, die in selbstständigen Fenstern ausgeführt werden)
  • Installation mit LVM und vollständiger Verschlüsselung
  • natürlich unzählige Software-Updates (siehe Tabelle oben)

Nicht alle Neuerungen sind Verbesserungen:

  • Ubuntu One wird in ein paar Monaten schließen, die Ubuntu-One-Apps wurden entfernt
  • WUBI wird nicht mehr unterstützt (weil inkompatibel zu Windows 8)
  • Ubuntu 14.04 läuft wegen Unity in virtuellen Maschinen nur träge

Alles in allem sind im Verlauf von zwei Jahren viele Detailverbesserungen durchgeführt worden, echte Revolutionen gibt es keine.

Positiv überrascht war ich bei meinen Tests erstmals von den Web-Apps. Dieses schon in Version 12.10 eingeführtes Feature funktioniert nun endlich rund. Persönlich sehe ich zwar keinen Vorteil im Vergleich zu Bookmarks in Firefox; aber wer Smartphone-geprägt für jede Webseite gerne ein App hat, erhält mit Web-Apps eine unkomplizierte, standardkonforme Lösung.

Bewährt und unverändert

Wenn man jemanden von Ubuntu überzeugen möchte, gelten genau dieselben Argumente wie vor zwei Jahren:

  • fünf Jahre lang kostenlose Updates
  • perfekt funktionierende, gut erreichbare Paketquellen
  • einfach zu nutzender, nicht überladener Default-Desktop
  • optisch sehr ansprechender Desktop
  • gigantisches Software-Angebot
  • gute Hardware-Unterstützung; auch Nicht-Open-Source-Treiber (NVIDIA etc.) lassen sich unkompliziert installieren
  • riesige Community; in Foren und Wikis finden man bei Hardware-Problemen eher Hilfe als bei anderen Distributionen

Ärgernisse

Im Ubuntu-Startmenü wird Werbung eingeblendet. Nicht einmal Microsoft macht das. Der Unfug lässt sich schnell abstellen, dennoch: Unverzeihlich!

Generell ist das Ubuntu-Startmenü entsetzlich überladen. Weniger wäre hier mehr.

Gnome ist nicht am aktuellen Stand. Die Gnome-Komponenten in Ubuntu 14.04 stammen von Gnome 3.10, aktuell ist 3.12. Schade! Das gilt auch für die Ubuntu-Gnome-Variante.

Persönlich habe ich auch ein Problem mit den vielen Eigenwegen von Ubuntu/Canonical: ob Unity oder Mir — ich glaube nicht, dass Canonical damit der Open-Source-Community etwas Gutes tut, sich selbst vermutlich auch nicht. Immerhin wird Ubuntu 14.04 wohl die letzte Ubuntu-Version mit Upstart sein. In naher Zukunft werden sowohl Debian als auch Ubuntu auf Systemd umsteigen; alle großen Distributionen werden dann dasselbe Init-System verwenden.

Probleme bei meinen Tests

In den letzten Wochen habe ich sicher 30 Ubuntu-Installationen durchgeführt und unzählige Ubuntu-Programme getestet. Dabei gab es erfreulich wenig Probleme, aber ein paar Details sind doch negativ aufgefallen.

  • Das Gnome-Programm Kontakte lässt sich mit Online-Konten nicht vernünftig nutzen. Schuld ist eine Inkompatibilität zu den Ubuntu-Systemeinstellungen (Launchpad). Zur Terminverwaltung gibt es unter Ubuntu überhaupt kein mitgeliefertes Programm. Beide Aufgaben lassen sich damit unter Ubuntu eigentlich nur online realisieren. Hier klafft also eine spürbare Lücke in den Default-Anwendungen.

  • Weil wir schon bei den Online-Konten sind: ownCloud wird nicht unterstützt, obwohl Gnome das schon lange kann. Jammerschade!

  • Das natürliche Scrollen, also das Umdrehen der Scroll-Richtung, funktioniert nur bei manchen Programmen. Das ist offensichtlich ein Gnome-Problem.

  • Nach der Installation von libpam-smbpass (wichtig für Samba-Freigaben) zeigt sudo jedes Mal die merkwürdige Warnung no talloc stackframe an (Launchpad).

  • Der Speicherbedarf von compiz ist riesig, wenn Ubuntu innerhalb von VirtualBox läuft.

Fazit

Ubuntu wird wohl die populärste Desktop-Distribution bleiben. In Ubuntu 14.04 fehlen zwar spektakuläre Neuerungen, aber Ubuntu 14.04 macht auch nichts falsch: Die Distribution ist grundsolide und optisch ansprechend. Die lästige Werbung ist rasch abgestellt, und ansonsten kann man sich sowohl an das Startmenü als auch an die anderen Unity-Eigenheiten gewöhnen; manchen werden sie sogar gefallen.

Der größte Pluspunkt von Ubuntu 14.04 ist sicherlich die fünfjährige Update-Garantie. Rechner, auf denen heute Ubuntu 14.04 installiert wird, können bis April 2019 sorgenfrei laufen.